Samstag, 28. September 2013

Das ist doch der Dings ... Bitter, das mit der Society

“He, hast gesehen, das ist doch der Dings, der vom Fernsehen, der …. na, wie heißt er denn?”

Tuschel, tuschel, wisper, wisper …

“Ah so, aha, na, was geht mich der an, den kenn ich doch gar nicht.”

Demonstratives Desinteresse …

Und wie halten Sie das, wenn Sie da vielleicht eine Anleitung für mich hätten? Muss gestehen, ich habe noch keine politisch-korrekte Vorgehensweise. Ich zähle nicht gerade zu jenen, die vor Ehrfurcht im Boden versinken, wenn sie zufällig auf eine A-, B- oder C-Größe der heimischen Prominenz treffen. Hauptsächlich deshalb, weil ich die Herrschaften nicht erkenne. Trotz Interesse – man könnt ja vielleicht ein Buch machen? Und trotz ausreichendem Studiums diverser einschlägiger Schulungsunterlagen, ja, na gut, man sagt auch Klatschpresse. Vortrefflich für die Badewanne. Ich stehe dazu.

So nebenbei: Mich irritiert es immer etwas, dass ich nie auf Leute treffe, die all die netten Frauenzeitschriften lesen, aber trotzdem weiß jeder darüber Bescheid, dass der Dings jetzt mit der Bums ein Pantscherl hat. Aber gut. Wahrscheinlich gibt es auch andere Informationskanäle. Ist aber trotzdem ein seltsames Phänomen.

Promi ist nicht gleich Promi. Ja, es gibt auch welche, die einen echten Beruf haben. Die sind dadurch halt exponiert, was sollen sie machen. Wenn ihr Gegenüber also mal damit fertig geworden ist, dass es eine echte Persönlichkeit aus dem Fernsehen getroffen hat, ist eine normale Unterhaltung durchaus ein realistisches Szenario. Ich habe dann immer sofort den Eindruck, dass die gar nicht nur dafür leben, dass sie prominent sind. Und dann gibt es natürlich noch die anderen, die selber gar nicht so genau wissen, warum die Leute sich für sie interessieren sollten.

Ich will bitte nicht zu den Prominenten gehören, also nicht, dass da Gefahr bestünde. Aber die sind ja arm. Was für eine Vorstellung: Ich geh nur mal schnell über die Straße zum Bäcker und schwupps, springt ein Fotograf um die Ecke und ertappt mich – oh Schreck – ganz ohne irgendeinen Markenfetzen an, in einem gewöhnlichen Outfit, das vielleicht nicht mal Carrie-Bradshaw-mäßig den Namen verdient. Der Bäcker verzeiht so was ja.

In Christiane Tauzhers Roman “Bitterlemon” habe ich gelesen, dass auch die Societyjournalisten gar kein einfaches Leben führen – immer auf der Jagd nach DER Story. Und das bei einem stets gleichen Angebot an Leuten, das muss einem ja auch einmal gelingen. Irgendwie habe ich sofort ein Verständnis dafür entwickelt, dass die Storys einen gewissen Anteil an Fantasie benötigen. Es bleibt einem ja nichts anderes über, als nur darüber zu schreiben, was die Leute angehabt haben, wenn die sich hartnäckig weigern, für einen angemessenen Skandal zu sorgen. Jeden Abend von Party zu Party – auf der Suche nach einer guten Geschichte. Schmeckt da das Buffet noch?

Und ist es eigentlich ein Zeichen von Prominenz, wenn man täglich auf eine Party geht? Ich meine, richtig gefragt ist man doch sowieso erst, wenn man sagen kann: “Sorry, ich muss noch zu einem anderen Event.” Gibt es einen Prominenten-Kodex für die originellsten Antworten? Besteht eine Prominenten-Rangordnung? Darf ein niederer D-Promi sich einfach einem B-Promi nähern und ist trotzdem mit dem per Du? Gibt es einen genauen Katalog, in dem die Zuordnung zu A, B oder C getroffen wird? Woher weiß Herr Lugner in welche Kategorie er fällt?

Fragen über Fragen.

Den Olymp der Prominenz hat man wohl erreicht, wenn man sich verkleiden muss, um nicht erkannt zu werden. Eine Stufe vorher rangiert man, wenn man sich so verkleidet, dass einen sicher jeder erkennt, damit man so tun kann, als ob man nicht erkannt werden will. Kompliziert.

Die tun mir dann fast schon wieder leid. Keiner kann was dafür, dass er prominent ist oder fast prominent oder dass er es einfach unbedingt sein will. Jeder hat seine Geschichte.

Ich weiß jetzt, was ich das nächste Mal machen werde, wenn ich auf einen Prominenten treffe. Ich gehe schnurstracks auf ihn zu, blicke ihm fest ins Auge, lege dabei mitfühlend die Hand auf seinen Oberarm und sage: “Es macht nichts, dass Sie prominent sind! Sie sind trotzdem ein wertvoller Mensch!”